A. Paul Weber
Widerstand und Entscheidung
( 1893 - 1980 )

 

Die Ausstellung dieser Werke ist eine eindrucksvolle Anklage gegen Rechtsextremismus und Diktatur. 

Sie ist Mahnung und Lehrstück zugleich:
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         Mahnung, eine unheilvolle Vergangenheit nicht zu vergessen
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         Lehrstück, um daraus zu lernen, und derartigen unheilvollen
      Entwicklungen rechtzeitig entgegenzuwirken.

Diese Werke können Sie als Ausstellung entleihen.

Setzen Sie sich bitte mit der Galerie Oltmanns, Tel.: 02224/78691 in Verbindung.


Von 1928 bis 1934 arbeitete A. Paul Weber für den Widerstandsverlag in Berlin. Seine satirischen Arbeiten wurden in den Zeitungen ‚Widerstand‘ und ‚Entscheidung‘ veröffentlicht.

Der Widerstandsverlag wurde 1926 von Ernst Niekisch gegründet. Seine Arbeit richtete sich im Grunde gegen alle politischen Strömungen, die nicht mit seiner eigenen – eine Art bolschewistischer Nationalsozialismus – übereinstimmte.

Mit dem Aufstieg Adolf Hitlers und des Nationalsozialismus steigerte sich auch die Kritik an dieser rechtsextremistischen Partei. Das spiegelt sich auch in den satirischen Beiträgen A. Paul Webers wider, deren Ikonographie inhaltlich nicht immer unbedingt mit den Texten von Ernst Niekisch übereinstimmt.

1934 wurde der Verlag verboten und Ernst Niekisch zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. A. Paul Weber wurde 1937 verhaftet und in ein Konzentrationslager eingewiesen. Er verdankte es einflußreichen Fürsprechern, daß er wieder freikam.

Nach dem Krieg lithographierte er seine Arbeiten von 1928 – 1935, um sie einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Erst später faßte er die 60 besten Arbeiten in der Widerstandsmappe zusammen. Die Existenz dreier dieser Mappen ist bekannt.

Hier einige Beispiele aus dieser Mappe der Vision:
 
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"Das Verhängnis"

Die bekannteste Anti-Hitler-Zeichnung Webers: der Marsch der Deutschen unter Nazi-Fahnen ins Massengrab.

Der Künstler war schon 1932 der Überzeugung, daß der politische Weg Deutschlands - sollten die Nationalsozialisten unter Hitler an die Macht kommen - ins Verhängnis führe.

Lithographie 1963, als Zeichnung 1931/32 entstanden.

         


"Die Begegnung"

Die Begegnung zwischen Reichspräsident Hindenburg und Hitler fand am 13.8.1932 statt, nachdem am 31.7.1932 die NSDAP mit 230 Mandaten stärkste Reichstagsfraktion geworden war. - Hitler, karikiert in der Pose des Gefreiten vor seinem ehemaligen Oberbefehlshaber.

Lithographie 1965, als Zeichnung 1932 entstanden.

 


"Der Sumpf"

Die Zeichnung bezieht sich auf einen Text von Ernst Niekisch "Im Zerfall", in dem er konstatiert, daß die nationalsozialistische Bewegung allmählich im bürgerlichen Sumpf versinke. So ist auch der ursprüngliche Titel zu verstehen: "Das Ende vom Lied: der Sumpf". Im Monat der Machtergreifung  bekommt die Zeichnung aus heutiger Sicht die Dimension des Untergangs schlechthin.

Lithographie 1963, als Zeichnung 1933 entstanden.

 
"Der Denunziant"

Der Denunziant als erlebte, schreckliche Wirklichkeit während der Naziherrschaft hat A. Paul Weber thematisch mehrfach beschäftigt.

Lithographie 1947, erstmals als Zeichnung: um 1934.



"Und kommen nach kurzer Pause wieder..."

... Entgegen den Friedensbeteuerungen des Führers steuert die ganze Situation unweigerlich auf den Krieg hin. Der Tod hockt auf der Pauke (die Partei) und kündigt das Verhängnis an mit den damals üblichen Worten des Ansagers ... (A. Paul Weber) - Propaganda des Todes.

Lithographie 1955, als Zeichnung 1934 entstanden.
 

 


"Spekulant auf Heldentod"

Der kapitalistische Kriegsgewinnler (Typ des Bourgeoisie) pinselt säuberlich hölzerne Grabkreuze in der Aussicht auf den kommenden Krieg. Die Masse "Mensch" auf zahlreichen politischen Zeichnungen Webers ist ersetzt durch die Masse der Grabkreuze.

Lithographie 1963, als Zeichnung 1934 entstanden.

 
"Der Schlag ins Leere"

Der deutsche Michel am Pranger schlägt sich einen Nagel in den Kopf. - "Der Mensch ist ein auf den eigenen Mord angelegtes Wesen - das ist das grauenhafte Fazit, das dieses Bildnis zieht..." (Georg Ramseger).  - Reaktion Webers auf Hitlers Machtergreifung.

Lithographie 1955, erste Skizze 1934.



"Mutter und Kind"

Mit dem Zyklus "Die Bomber" hat A. Paul Weber 1934 eine Arbeit vorgelegt, die in beklemmender Vorausschau den psychischen und physischen Schrecken des Bombenterrors im 2. Weltkrieg darstellt.

Das Bild zeigt die überstürzte Flucht in den Luftschutzkeller, wobei die Mutter ihr nacktes, schreiendes Kind durch eine Gasmaske zu schützen versucht.

Lithographie 1963, als Zeichnung 1934 entstanden.

 

 


"Auftakt"

Totengerippe - auf einer Kugelmine sitzend - stimmt das mit nur einer Saite bespannte Cello zur Totenklage. Eine riesige Armee unter NS-Standarten wartet vor einem Abgrund (rechts) auf den tödlichen Marschbefehl.

Lithographie 1965, als Zeichnung 1931/32 entstanden.

 


"Familienkrach"

Der Familienkrach bezieht sich auf innerparteiliche Auseinandersetzungen der NSDAP, an der vor allem Gregor Strasser und Hitler beteiligt waren. Strasser vertrat ein nationalbolschewistisches, antikapitalistisches Programm. Im Dezember 1932 trat er aus der NSDAP aus.

Lithographie 1963, als Zeichnung 1932 entstanden.

 
"Hofbräukeller"

Szenerie: Münchener Hofbräukeller (eigentlich Bürgerbräukeller), Ort berüchtigter Hitlerreden. - Einer begeisterten Menge bietet der Tod im Narrenkleid ein besonderes Schauspiel; er bläst eine Seifenblase mit dem Kopf Hitlers auf.

Lithographie 1963, als Zeichnung 1931/32 entstanden.